Joseph Niesert (* 1766 - † 1841)

Niesert und Haltern

Sein historisches Interesse am Bestand des damaligen Stadtarchivs Haltern und seine Sammelleidenschaft für "Alterthümern" führten Niesert wiederholt nach Haltern. In der Regel wohnte er dann bei seiner jüngeren Schwester Gertrud, die in Haltern verheiratet war. Mit dem damaligen Halterner Pfarrer Büttner war er seit dem Studium bekannt. Vom Stadtarchiv in Haltern hatte Niesert keine hohe Meinung:

Aus seinen Studien zur westfälischen Kirchengeschichte war ihm bekannt, dass unweit Haltern (heute im Stadtgebiet der Stadt Haltern am See) im 13. Jahrhundert ein Zisterzienser Nonnenkloster bestand, dem Niesert im Jahre 1830 eine eigene Arbeit widmete ("Über die Gründung des Cistercienser Nonnenklosters Marienborn und Verlegung desselben nach Coesfeld - Eine Historische Untersuchung mit Urkunden", Coesfeld 1830 - eine Kopie befindet sich in der Stadtbücherei Haltern am See).

Über die Funde römischer "Altertümer" war er nicht nur informiert, sondern besaß auch etliche Fundstücke vom Annaberg. 1834 veröffentlichte Niesert eine Artikelserie, die von heutigen Archäologen als "erster Fundbericht zu römischen Funden in Haltern" gewertet wird.

Niesert verwendete für diesen Artikel auch seine Tagebuchaufzeichnungen aus dem Jahre 1815. In diesem Jahr sah er u.a. Terra Sigillata aus dem Gräberfeld unterhalb des Annaberges in der Wohnstube des Bürgermeisters Lohagen. Damit scheint dies der erste schriftliche Nachweis und die erste Veröffentlichung zu römischen "Alterthümern vom Annaberg" und dem Gräberfeld in Haltern zu sein.

Nieserts Nachlass

Welch ein fanatischer Sammler Joseph Niesert gewesen war, kam erst nach seinem Tode ans Tageslicht. Einen Monat vor seinem Tode, am 20. Mai 1841, hatte Joseph Niesert sein Testament auf gesetzt. Von seinem literarischen Kunstnachlass sollte ein vollständiger und instruktiver Katalog gedruckt und an Antiquariate in Rheinland, Westfalen, in Sachsen, Hamburg und Bremen versandt werden. Alles sollte durch einen vereidigten Auktionator versteigert werden. Weiter war im Testament eine Armenstiftung von 3000 Talern festgesetzt, die auch weiblichen Personen, die „durch Verführung unglücklich geworden“, zugute kommen sollte.

Als Testamentsexekutoren bestimmte Niesert Vikar Brüggemann aus Werne und den Sekretär der Landsbergschen Verwaltung, Geißler. Knapp ein Vierteljahr später, am 14. Juni 1841, ereilte ihn im Alter von fast fünfundsiebzig Jahren nach kurzer Krankheit der Tod infolge eines „Schlagflusses“.

Die Nachlassverwalter beauftragten den Rektor der Borkener Rektoratschule, Joseph Starking, mit der Erstellung des Kataloges Für diese Aufgabe benötigte dieser fast ein Jahr.

Joseph Niesert hinterließ laut Katalog:

Ausgehend vom heutigen Kenntnisstand scheinen Joseph Starking beim Erstellen des Katalogs Fehler unterlaufen zu sein, insbesondere bei der Beschreibung der auf dem Annaberg gefundenen Münzen. Würde man davon ausgehen, dass Starking die Münzen korrekt beschrieb, hätte es in Haltern nicht nur augusteische Lager gegeben. ..... Aber warum hätten die Römer um das Jahr 160 "Aliso" "besuchen" sollen?. Aber zum Glück irrt Starking, zumindest teilweise. (siehe Nieserts Artikel).

Mit dieser ungeheuren Bibliothek und seinen Sammlungen konnte Niesert bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten natürlich aus dem Vollen schöpfen. Er veröffentlichte während seines Lebens eine große Anzahl von Aufsätzen und schrieb über dreißig Bücher. Es verwundert nicht, dass der Büchersammler sich auch mit der Geschichte des Buchdrucks beschäftigte. Aus seiner Münzsammlung entstanden seine " Beiträge zur Münzkunde des ehemaligen Hochstifts Münster von der ältesten Zeit bis zur Verweltlichung desselben", Coesfeld 1838.

Auf den ersten Seiten des Buches listet er alle die Bücher zur Münzkunde auf, die sich zum Zeitpunkt der Drucklegung in seinen Besitz befanden. Zu seinen bekanntesten Veröffentlichungen gehören die „ Beiträge zu einem münsterischen Urkundenbuch". Von seiner Büchersammlung stehen heute etwa 50 Inkunabeln in der Bodleian Library in Oxford, in der British Library London und der Royal Library Albert I Brüssel, weitere befinden sich in der Universitätsbibliothek Münster (28 aus der "Bibliotheca Paulina" und weitere aus der Collectio Erhard).