Georg Loeschcke (* 28. Juni 1852; † 26. November 1915)

Die historische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und insbesondere mit der Judenverfolgung setzte bei den Geschichts- und Heimatvereinen erst mit jahrelanger Verspätung ein. Verdienstvoll war eine erste Veröffentlichung von Schneider/Nockemann 1982, die aber aufgrund der schlechten Quellenlage keine systematische Erfassung liefern konnte. Die amtlichen Unterlagen waren in Haltern wie auch in vielen anderen Städten durch Kriegseinwirkungen vernichtet oder von Beteiligten gelöscht worden, und deshalb brachten auch alle weiteren Beiträge zu diesem Thema keine neuen Erkenntnisse.

Diese Lücke hat Dieter Stüber geschlossen.

Seine Idee war es, in den Archiven der Halterner Schulen nachzuforschen, und hierbei wurde er fündig. Die Lebensdaten der Schüler gaben Hinweise auf die Eltern, deren Berufe und deren Lebens- und Wohnverhältnisse. Auf dieser Basis erfolgte dann die weitere Recherche bei den Gedenkdaten und internationalen Organisationen, und damit ist es nach 70 Jahren endlich gelungen, das Schicksal der jüdischen Familien in Haltern aufzuzeichnen.

Das Ziel dieser Aufarbeitung spricht der Untertitel an: Erinnern und Gedenken gegen Verdrängen und Vergessen.

Mittelpunkt dieses Buches ist also eine Dokumentation der Lebensdaten und Lebensverhältnisse der jüdischen Mitbürger, aber es liefert auch eine Zeitleiste, in der die örtlichen Ereignisse in die allgemeine Geschichte eingebunden werden, und dazu ein Stichwortverzeichnis zu den wichtigen Begriffen und Namen. Die Leserin und der Leser können also selbst aktiv werden, Bezüge herstellen und Hintergründe erschließen, und insofern ist es auch ein Arbeitsbuch gerade für die heutige Generation, für die das Dritte Reich oft schon zur fernen Vergangenheit geworden ist.

Es geht hier, wie der Titel sagt, um das Schicksal der jüdischen Familien und nicht um eine Aufarbeitung der nationalsozialistischen Geschichte unserer Stadt, die aber dann doch immer wieder ins Blickfeld gerät. Der Autor hat drei Schwerpunkte gesetzt: 1. Die Terrortage 1938, damals als „Reichskristallnacht“ verniedlicht, 2. die Arisierung jüdischen Vermögens, wozu auch der Jüdische Friedhof in Haltern gehörte und 3. die Rolle des berüchtigten Gauleiters Meyer, der ein Wochenendhaus in Haltern hatte, und deshalb auch starken Einfluss nahm.

Hier wird deutlich, dass die verharmlosende Einschätzung der Nachkriegszeit, „ dass in Haltern die passive Resistenz weit stärker war als anderswo“ als Verfälschung angesehen werden muss. Ein totalitäres Regime lässt keine Nischen zu, besonders dann nicht, wenn zentrale Führungspersonen wie Meyer im Hintergrund Regie führen.

Fazit:

Eine systematische Aufarbeitung der Geschichte der jüdischen Bürger in Haltern von 1925-1945, gedacht als ein Arbeitsbuch für nachfolgende Generationen und besonders auch für Schüler, die hier Material für eine eigenständige Beschäftigung mit diesem zentralen Thema unserer Geschichte finden.